Wie geht es dir?


Gute Frage. Nächste Frage.

 Lesezeit: circa 5 Minuten


»Wie geht es dir?«
»Gut.«

Kennst du diese Antwort? Die knappe Reaktion auf eine Frage, die uns gerne als Erstes in den Sinn kommt. Die wir schon fast automatisch aussprechen, ohne uns tiefer mit der Bedeutung zu beschäftigen. 

»Mir geht es gut.«

Wie viel Wahrheit steckt in diesen vier Wörtern? Ist die Antwort nicht vielmehr ein stummer Hilferuf? Ein Wunsch nach tiefgründigen Gesprächen mit Menschen, die sich wirklich für dich interessieren? Der Wunsch, dass dir endlich jemand zuhört und dir die Fragen stellt, auf die du noch keine Antworten gefunden hast? Geht es nicht vielmehr darum, sich zu öffnen und zu erkennen, was sich hinter der Frage verbirgt?

Was ist die wahre Antwort?


Ich kenne dieses Gefühl sehr gut. Ich habe jahrelang keine andere Antwort auf diese Frage gefunden. Wenn ich mit meiner Mutter telefonierte, war die Antwort stets die gleiche. Wenn mich meine Frau Daniela fragte, hatte ich keine bessere Antwort parat. Mir fehlten die Worte. Ich versteckte meine Realität hinter der Antwort. Meinen Istzustand. Meine Gefühle. Meinen tiefen Wunsch nach Verbundenheit. 

Mir ging es nicht gut. Mir ging es beschissen.

Someone famous

Ich wünschte mir, dass mein Gegenüber mich auch mal hinterfragte. Dass die Mauer des Schweigens durchbrochen wurde. Irgendwie. Und wenn jemand nachhakte und mich fragte, ob es mir wirklich gut ging, war meine Antwort ähnlich.

»Ja, wirklich. Mir geht es gut.«

Ein beschissener Teufelskreis. Denn rein äußerlich war an mir alles gut. Ich hatte keine körperlichen Beeinträchtigungen. Aber mental war ich angeschlagen und tief verletzt. Wunden, die niemand sehen sollte. Wunden, über die ich nicht sprechen wollte.

Nachgehakt


Gerade in der heutigen Zeit ist es wichtig, darüber zu sprechen und zu hinterfragen, wie es unseren Mitmenschen wirklich geht. Sich bewusst mit dieser Frage auseinanderzusetzen und sie nicht als Einstieg für einen Small Talk zu verwenden, den am Ende eh kein Mensch braucht.

Fangt endlich an, vernünftig miteinander zu reden, und seid auch mal neugierig und hakt nach.

Someone famous

Wie zum Beispiel:

»Was heißt ›gut‹ für dich ganz konkret?« oder 
»Ich bin neugierig. Was ist denn gerade so gut in deinem Leben?«

Einfach mal ganz ehrlich nachzufragen und sich auf sein Gegenüber einzulassen. Ein Gespräch aufzubauen, von dem beide womöglich anfangs denken, dass es niemals möglich sein würde. Die Bedenken in Form von Vorurteilen abzulegen und Offenheit zu präsentieren. Die Oberflächlichkeit zu durchbrechen und Mitgefühl zu entwickeln. 

Und ich kann sagen, dass das nicht jeder Mensch mag. Wir entwickeln schnell das Gefühl, zu viel von uns preisgeben zu müssen. Ich kenne das auch sehr gut. Ich mochte das Nachfragen nie wirklich. Ich habe mich lieber verschlossen und wurde bockig. Ich wollte mich einem anderen Menschen nicht öffnen. Und erst recht keinem, dem ich zum ersten Mal begegnete!

Ehrliche Kommunikation


Wenn wir es schaffen, diese Momente achtsamer wahrzunehmen, kann daraus eine neue Offenheit entstehen. Wenn wir erkennen, dass unser Gegenüber sich wirklich für uns und unser Leben interessiert, bietet sich uns die Chance, offen über unsere Gefühle und Sorgen zu reden. Diesen Moment der Verbundenheit zu spüren. Die Gestik und Mimik. Die Kommunikation. Ja zum Leben zu sagen und alles einfach passieren zu lassen. Alles um sich herum vergessen zu können. Ich durfte das wieder lernen, denn ich hatte es verlernt. 

Auf Menschen zuzugehen und die Verbundenheit zu spüren hat mich innerlich ruhen lassen.

Someone famous

Zu erkennen, wie wertvoll jeder Mensch ist und wie wertvoll ich für diese Welt bin. Wie viel ich anderen Menschen mitgeben kann und wie viel ich über mein Leben erzählen kann. Ich habe gelernt, über meine Ängste und Sorgen zu reden. Und ich habe gelernt, ehrliche Fragen zu stellen und sie ehrlich zu beantworten. Beiderseitige ehrliche Kommunikation. 

Impulse für mehr Achtsamkeit


Sei ehrlich zu dir selbst


Stell dir selbst einmal die Frage, wie es dir gerade geht, und finde eine ehrliche Antwort. Hinterfrag dich. Was brauchst du? Was fühlst du? Was blieb bisher verschlossen und will ausgesprochen werden?

Sei neugierig


Sei neugierig auf die Antworten, die dich eventuell überraschen, verblüffen oder auch im ersten Moment verletzen können. Die Wahrheit kann wehtun, wenn sie ausgesprochen wird, und sie lässt unsere Wunden heilen, wenn sie gesehen wird.

Sei präsent


Sei wirklich bei deinem Gegenüber. Sei im Moment. Erkenne für dich, was dich in dem Moment ablenkt. Ist es dein Smartphone? Sind es die Gedanken an die Arbeit? Schenk deinem Gegenüber ein Lächeln und schenk jedem Menschen, dem du begegnest, deine volle Aufmerksamkeit.