Den Worten Taten folgen lassen


Die 21-Tage-Challenge

 Lesezeit: circa 4 Minuten


Eine Muttersprachlerin beziehungsweise ein Muttersprachler verwendet durchschnittlich 750 verschiedene Wörter in der Alltagskommunikation. Ist das viel oder wenig? Es klingt im ersten Moment nach wenig. Sind wir nicht zu mehr imstande? Sind unsere täglichen Konversationen so stark von Monotonie geprägt oder fällt uns oftmals schlichtweg nichts Besseres ein, um uns auszudrücken? Sind wir unfähig, die passenden Worte zu finden? 

Macht es einen Unterschied, ob jemand zum Beispiel die doppelte Anzahl an Wörtern im Alltag verwendet? Ist er oder sie dann automatisch klüger und privilegierter als ein Mensch, der nur 750 verschiedene Wörter im Durchschnitt gebraucht? Je länger ich darüber nachdenke erscheinen mir 750 Wörter doch mehr als ich zunächst dachte. Ich werde nicht überprüfen, ob ich wirklich nur 750 unterschiedliche Wörter am Tag verwende. Ich hätte auch keine Ahnung, wie ich das dokumentieren sollte. Ich habe mit der Zahl etwas anderes vor.

Ich werde in den nächsten 21 Tagen täglich 750 Wörter schreiben.

Someone famous

Mindestens. Wenn es mehr werden, umso besser. 750 Wörter zu schreiben klingt im ersten Moment einfach. 750 Wörter in den Laptop tippen, come on. Das erledige ich mal eben vor dem Frühstück. Das kann doch nicht so schwer sein. Ich habe doch bereits ein ganzes Buch geschrieben, da sind 750 Wörter am Tag doch keine Herausforderung. Dieser Eindruck verfliegt sehr schnell. Ganz im Gegenteil. Unwohlsein und Druck machen sich bemerkbar.

Buchstabensuppe


In mir macht sich eine Mischung aus Respekt und Ehrfurcht breit. Es ist dieses Gefühl, sich 750 Wörter wirklich zu erlauben. Die Finger über die Tastatur fliegen zu lassen und all die Gedanken in meinem Kopf zu strukturieren. So als wollte ich die Nudeln in der Buchstabensuppe erst zu sinnvollen Wörtern sortieren, bevor ich sie esse. 

Ich will das Ergebnis meiner Arbeit sehen, bevor ich begonnen habe.

Someone famous

Den Prozess des Schreibens zu durchschreiten, ist die eigentliche Herausforderung. Am Anfang ist ein Gedanke und am Ende ergibt alles einen Sinn. Ich kann die Geschichten vor meinem geistigen Auge erkennen. Der Blick in die Buchstabensuppe ist klar und deutlich. Ich kann den Tellerboden sehen und dennoch habe ich das Gefühl, dass der Boden mir unter meinen Füßen verloren geht. 

Diese Unsicherheit, mich meiner Gedanken zu befreien und alles einfach aufzuschreiben. Bilder zu beschreiben, die nur ich sehen kann. Geschichten zu erzählen, die von innen gegen meinen Brustkorb drücken und freigelassen werden wollen. 

Mein Buch zu schreiben und meinen Blog zu starten war erst der Anfang. Es hört niemals auf. Es geht immer weiter. Das Leben und das Schreiben. Ich will beides in vollen Zügen genießen. Die Vielfalt der Sprache soll sich auf mein Leben übertragen. Ich will mehr Leichtigkeit, Achtsamkeit und Minimalismus. Ich brauche nicht viel zum Leben. Ich brauche die Menschen und das Schreiben. Wie viele Wörter braucht es, um sein Leben zu dokumentieren? Lässt sich meine Lebensgeschichte auch in lediglich 750 Wörtern zusammenfassen? Einen Versuch wäre es wert.

Fehlversuche


Versuch ist ein schönes Stichwort. Viele Menschen versuchen sich und ihr Verhalten langfristig zu verändern. Es bleibt oftmals bei einigen Versuchen und dann werden der Wunsch und das gesteckte Ziel wieder verworfen. Zu groß ist der Aufwand und zu gering ist der Ertrag. 

Der Mensch will für seine Taten belohnt werden, und das am besten sofort, sobald die Leistung erbracht wurde. Wenn ich eine Stunde Krafttraining gemacht habe, will ich danach gefälligst breiter sein als der Türsteher. Sind wir so naiv? Finden wir die Verbesserung für unser Leben in den Ratgebern dieser Nation? In Büchern, Magazinen und Onlinekursen, die uns in sechs Wochen ein Sixpack versprechen, die uns in drei Monaten zwei neue Sprachen lehren und die unser Business in nur einem Jahr zu sechsstelligen Umsätzen skalieren können?

Ich stelle die Frage gerne noch mal: Sind wir so naiv? Haben wir unseren gesunden Menschenverstand an der Garderobe abgegeben, als wir das Theater unseres Lebens betreten haben? Warum irren wir oftmals planlos umher auf der Suche nach unserem Platz in dieser Gesellschaft? Wenn wir unseren Platz gefunden haben, werden wir unruhig und wollen lieber wieder woanders sitzen.

Wir wollen Neues erleben und haben den Drang, uns zu verändern. Wir nehmen uns ein neues Ziel vor, schwören uns, dass wir diesmal wirklich durchhalten, um am Ende wieder zu scheitern. Wir machen das so lange, bis wir genügend Gründe gefunden haben, warum wir uns nicht ändern können. Warum es nicht funktionieren kann. Wir reden gerne über Ziele. Wir erzählen anderen Menschen, wie sie ihr Leben verändern sollen. Wir finden für alles Mögliche Ausreden.

Doch eine Sache tun wir leider viel zu selten.

Den Worten Taten folgen lassen.