Die Mauer des Schweigens


Überwindung schafft Verbindung

 Lesezeit: circa 4 Minuten


Wir stehen uns direkt gegenüber. Du schaust mich mit deinen leuchtenden Augen an. Du strahlst über das ganze Gesicht. Ich ertrage deine Begeisterung nur schwer. Ich schaue dich an und stehe wie versteinert da. Was tue ich als Erstes? Soll ich anfangen etwas zu sagen oder lasse ich dich zu Wort kommen? Ich meine, du scheinst etwas Großartiges erlebt zu haben und willst es mir bestimmt gleich erzählen. Will ich es hören? Interessiert mich deine Erfahrung? Interessiere ich mich für dein Leben? Ich könnte dich ja auch einfach fragen, wie es dir geht

Die freudige Erwartung in deinem Gesicht überfordert mich. So viel Herzlichkeit überlastet mich. Wie kann ein Mensch nur so selbstverständlich lächeln? Wie machst du das? Kann ich das auch? Ich müsste mein Gesicht verzerren, um es dir gleichzutun. Irgendwie ist es dennoch ansteckend und faszinierend. Wir stehen uns immer noch gegenüber und haben noch kein Wort miteinander gewechselt und dennoch strahlst du etwas aus, was mich anzieht und gleichzeitig irritiert. Ich fühle mich wie ein Magnet, der sich in beide Richtungen bewegt.

Meine Hände werden schweißig. Mein Herz schlägt schneller. Mein Körper fühlt sich angespannt an. Ich setze an und will dir etwas sagen. Meine Lippen bleiben stumm. Ich will, aber ich kann nicht. Ich freue mich, dich zu sehen. Wirklich. Wir haben uns lange nicht mehr gesprochen. Ich kann es dir nur nicht sagen. Ich kann es dir nicht zeigen. Du spürst meine Unsicherheit und beginnst das Gespräch.

Du nimmst mir die Last der ersten Worte.

Someone famous

Ganz aufgeregt erzählst du von deinen Erlebnissen. So viele tolle Dinge sind in deinem Leben passiert. Du sprühst vor Begeisterung und kannst gar nicht mehr aufhören davon zu berichten. Ich kann deine Worte nicht aufnehmen. Sie prallen an mir ab wie ein Ball an einer Mauer. Ich kann die Mauer zwischen uns nicht sehen. Aber ich kann sie spüren. Ihre kalte Oberfläche zieht sich in beide Himmelsrichtungen und verjüngt sich am Horizont. Ich kann sie nicht umgehen. Ich kann sie nicht überwinden. Ich sehe dich reden und gestikulieren. Ich sehe dich, aber ich höre dich nicht. Ich kann dich durch die unsichtbare Mauer in der vollen Blüte deines Lebens wahrnehmen und dennoch erreiche ich dich nicht.

Die Situation ist frustrierend. Ich will doch wissen, was du zu berichten hast. Moment mal. Will ich das wirklich? Das klang kurz zuvor noch ganz anders. Die anfänglichen Zweifel gehen langsam in Neugier über. Ich will alle Details wissen. Ich will wissen, was dich so glücklich macht. Ich will etwas davon abhaben. Ich will diese verdammte Mauer überwinden.

Ich will glücklich werden.

Someone famous

Was passiert hier? Wieso interessiere ich mich plötzlich für mein Gegenüber? Woher kommen die Offenheit und der Drang nach der Verbindung zu anderen Menschen? Die Antwort ist einfach: Ich will nicht mehr allein sein. Ich will die Mauer des Schweigens überwinden und am Leben teilhaben. Ich will dir meine Hand reichen und dich in den Arm nehmen.

Ich will herzlich sein.

Someone famous

Wie kann ich die Mauer des Schweigens überwinden? Ich versuche sie langsam abzutasten. Die kalte Oberfläche lässt mich immer wieder zurückzucken. Ich bin auf der Suche nach irgendeiner kleinen Stelle, an der ich mich abstützen kann. Meine Hände wandern immer wieder über die Mauer. Du schaust mich etwas irritiert an. Ich trete immer wieder ins Leere. Ich finde keinen Halt und kann sie nicht allein überwinden.

Ich brauche deine Hilfe.

Someone famous

Du erkennst die Situation und übernimmst die Initiative. Du hinterfragst nichts. Du tust es einfach. Wie so oft machst du den ersten Schritt. Du tastest die Mauer auf deiner Seite zielstrebig ab und findest einen Absatz, auf den du dich stellen kannst. Staunend schaue ich dir dabei zu, wie selbstverständlich du die Barriere zwischen uns zu überwinden scheinst. Du nimmst Schwung und erklimmst die Mauer. Spielerisch. Ich bin beeindruckt. 

Du beugst dich zu mir und reichst mir deine Hand. Ich blicke ungläubig nach oben. Wie hast du das gemacht? Das Staunen über deine Leistung wandelt sich in Zweifel. Ich muss doch fähig sein, die Mauer allein zu überwinden. Ist es richtig, dir meine Hand zu geben? Mache ich mich damit nicht klein und wirke ich dann nicht wie ein Schwächling, wenn ich deine Unterstützung annehme?

Kann ich dir vertrauen?

Someone famous

Ja, ich kann dir vertrauen! Ich kann mich auf jeden Menschen einlassen, wenn ich bereit bin, ihm meine Hand zu reichen. Auch wenn sie, wie gerade, ganz schön zittert. Nur sehr schwer finde ich Halt. Ich schiebe meinen Körper an der Mauer nach oben. Ich strampele mit beiden Beinen wie ein Nichtschwimmer im Wasser. Ich stoße mich ab und komme dir entgegen. Du hältst mich fest und ziehst mich auf die Mauer. Ich bin völlig außer Atem. 

Der Blick von hier oben ist ungewohnt. Ich habe das Gefühl, meine Sorgen auf dem Boden zurückgelassen zu haben. Hier oben fühle ich mich wohl. Neben dir fühle ich mich wohl. Es ist ein tolles Gefühl. Jetzt können wir endlich über alles reden. In vollkommener Ruhe und Harmonie. Ich danke dir und nehme dich in den Arm.

Mein Herz pocht schneller.
Ich spüre deine Herzlichkeit. 
Das Schweigen wird zum Storyteller.
Ich bin angekommen in der Wirklichkeit.

Impulse für mehr Achtsamkeit


Zeig dich


Versteck dich nicht hinter deinen Selbstzweifeln und deinen Glaubenssätzen. Du bist großartig, so wie du bist. Sei dir bewusst, wer du sein willst. Spielst du eine Rolle im Leben oder zeigst du dich von deiner natürlichsten Seite? Geh achtsam mit dir und deinem Körper um, dann werden dich deine Mitmenschen bewusster wahrnehmen.

Rede über dich


Rede offen über das, was du kannst. Über all die Fähigkeiten, die dich auszeichnen. Rede über die schönsten Momente in deinem Leben und teile genauso die dunkelsten Zeiten mit anderen Menschen. Die Achtsamkeit hilft dir, dich anderen Menschen anzuvertrauen und offen über deine Gefühle zu reden.

Hör anderen zu


Menschen zuzuhören ist eine wunderbare Übung für mehr Achtsamkeit. Schenk deinem Gegenüber die volle Aufmerksamkeit und lass dich auf das Gespräch ein. Versuch nicht wegzuschauen, sondern schau deinem Gegenüber ganz bewusst in die Augen. Beobachte dich und deinen Körper dabei. Was löst es in dir aus?