Ich muss, muss, muss


Muss ich das wirklich?

 Lesezeit: circa 4 Minuten


Woher kommt dieses Gefühl, ständig etwas tun zu müssen? Sind wir nicht fähig, einfach mal nichts zu tun? Wenn wir ganz ehrlich zu uns selbst sind, erkennen wir, dass wir oftmals etwas tun, weil wir das Gefühl haben, es tun zu müssen. Tun wir es dann für uns oder für die anderen?

Warum checken wir alle fünf Minuten Facebook, Instagram und Co.? Wir haben Angst, etwas zu verpassen. Die logische Konsequenz daraus ist eine dauerhafte mediale Reizüberflutung, die unser Leben diktiert. Die reale Welt rückt in den Hintergrund. Die Scheinwelt ist bunter, liebenswerter und meckert nicht mit einem. In ihr können wir uns verlieren, ohne jemanden um Erlaubnis fragen zu müssen. Mit wenigen Klicks lenken wir uns immer wieder von uns selbst ab.

Bringt uns das im Leben weiter? Wie lange wollen wir uns noch selbst verarschen und behaupten, die sozialen Medien verbessern unser Leben? Warum höre ich häufig einen Satz wie »Das musst du dir anschauen!«? 

Ich will mir keinen Nonsens im Internet anschauen. Ich will den Blick nach innen richten und herausfinden, wer ich wirklich bin.

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Mitreden


Ähnlich verhält es sich mit den Nachrichten. Das Wort selbst transportiert die Botschaft. Wir richten uns nach den Medien. Wir verbringen viel Zeit in irgendwelchen Newstickern, statt uns klarzumachen, was wir wirklich wissen wollen. Wir müssen informiert bleiben. Müssen wir das wirklich? Die relevanten Nachrichten werden uns erreichen. Alles andere müssen wir nicht konsumieren. Wir glauben, stets auf dem neuesten Stand der Nachrichten sein zu müssen. Wir konsumieren täglich die weltweiten negativen Schlagzeilen und speichern die dazugehörigen Bilder in unserem Unterbewusstsein ab. 

Wie soll ein positives Leben entstehen, wenn primär über das Negative berichtet wird?

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Aufklärung ist wichtig. Das steht außer Frage. Es geht nicht darum, das Leid auf der Welt zu verharmlosen. Es geht um den eigenen Einflussbereich. Ich kann den Hunger dieser Welt nicht lindern. Ich kann das Klima nicht allein retten. Ich kann ein Vorbild sein und meinen Teil dazu beitragen, dass diese Welt eine liebenswerte Welt bleibt.

Wie soll ein Mensch herausfinden, wofür er wirklich innerlich brennt, wenn er das Gefühl hat, die Welt um ihn herum steht bereits in Flammen? 

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Dass wir uns falsch fühlen, passiert uns im Alltag immer häufiger. Um zum Beispiel in der Kaffeeküche mitreden zu können, müssen wir heutzutage die neuesten Serien oder Filme gesehen haben. Ansonsten schaut man dumm aus der Wäsche. Ich habe nicht mal mehr einen Fernseher und bin dennoch ein Teil der Gesellschaft. 

Wenn sich Menschen um mich herum über die neueste Serienstaffel unterhalten, bin ich raus. Ich muss das nicht gesehen haben. Ich entscheide selbst darüber, wie ich meine Zeit nutze. Ich freue mich darüber, wenn andere Menschen eine Leidenschaft für etwas entwickeln und sich intensiv darüber austauschen. Ein respektvolles Miteinander steht immer im Vordergrund. Ich fühle mich dennoch fehl am Platz, wenn ich den Eindruck habe, nichts beitragen zu können. Ich wünsche mir, dass meine Entscheidung akzeptiert wird und bei mir nicht das Gefühl entsteht, doch mal wieder eine Serie schauen zu müssen, um am nächsten Tag mitreden zu können.

Mitmachen


Wir verlernen, eigenständig zu denken, und folgen blind den Menschen, denen wir vertrauen und denen wir gefallen wollen. Das ist so. Wer hat sich nicht früher auf dem Schulhof immer zu den coolen Typen gestellt? Zu dieser kleinen Gruppe, die die Trends auf dem Schulhof definierte. Ich wollte immer dazugehören und passte mein Verhalten und meine Kleidung entsprechend an. Ich musste den Style der Gruppe kopieren, damit ich eine Chance hatte, aufgenommen zu werden. Ich musste mir die gleichen Klamotten kaufen, damit ich cool rüberkam. Aus diesem Denken heraus entstehen gesellschaftliche Zwänge.

Wir rennen ständig etwas hinterher und kommen niemals an unser Ziel.

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Warum ist das Wort »müssen« so stark in unserem Denken verankert, dass wir es als selbstverständlich erachten? So als würde das Wort »ja« den gleichen Stellenwert wie »müssen« einnehmen. 

Müssen hat viel mit der eigenen Erziehung zu tun. Unsere Eltern haben uns nach bestem Wissen und Gewissen erzogen. Sie wussten es nicht besser. Wir haben als Kinder Dinge getan, die wir als erwachsene Menschen nicht mehr tun wollen. Dennoch ist die Gewohnheit tief in unserem Unterbewusstsein verankert. Über die Jahre verändert sich unser Denken, aber das Verhalten bleibt nahezu gleich. Im Ergebnis glauben wir die Dinge so tun zu müssen, wie wir sie als Kinder gelernt haben.

»Ich habe das schon immer so getan, also muss das richtig sein.«

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Mitgestalten


Wir können nicht mehr zwischen »müssen« und »wollen« unterscheiden. Der Wunsch, etwas im Leben zu verändern, wird durch die alltäglichen Verpflichtungen überlagert. Wir müssen Geld verdienen. Wir müssen ein Haus bauen. Wir müssen heiraten. Dabei wollen viele Menschen etwas anderes im Leben. Sie sprechen es nicht aus. Sie haben Angst vor der Wahrheit. Sie laufen vor ihr weg und passen ihr Verhalten weiterhin dem der Gesellschaft an.

Die Achtsamkeit hilft uns diese Konditionierungen zu durchbrechen. Sich mit sich selbst auseinanderzusetzen ist für viele Menschen eine große Hürde. Wir wollen das nicht. Der Wille ist oftmals da, nur fehlt es an Mut, den Weg der Veränderung wirklich zu gehen. Durch das Bewusstsein für den eigenen Körper richten wir den Blick nach innen. Wir lösen uns von den augenscheinlichen Verpflichtungen um uns herum und bleiben ganz bei uns. Wir erlauben uns unsere eigene Wahrheit und gestalten unsere eigene Zukunft.

Die Wahrheit kann schmerzen und unser Leben richtig aus der Bahn werfen. Ich habe das selbst erlebt. Wenn wir unser Leben nicht konsequent an unseren eigenen Bedürfnissen ausrichten, werden wir weiterhin das Gefühl haben hinterherzurennen. Denn eine Sache müssen wir im Leben definitiv nicht. 

Wir müssen nicht sterben. 
Wir werden sterben.