Die innere Leere


Das Unbegreifliche greifbar machen

 Lesezeit: circa 5 Minuten


Ein Raum, dessen Wände nicht zu erkennen sind. 
Ein Raum, dessen Ausgang nicht zu finden ist. 
Ein Raum, der mein Leben ist.

Ich suche nach Orientierung. Nach Halt. Nach dem Vertrautem. Schnell wird mir klar, dass ich bitterlich enttäuscht werde. Ich kann nichts erkennen. Der Raum ist leer. Einfach nur leer. Niemand ist mit mir in dem Raum. Ich fühle mich einsam. Keine Menschen. Keine Perspektive. Kein Leben. Die Kargheit und die Monotonie machen mir Angst. Wo sind die bunten Farben des Lebens? Die stickige Luft schnürt mir die Kehle zu. Mein Herz pocht immer schneller. Ich will hier schnellstmöglich wieder hinaus. Hinaus in mein Leben. 

Das ist mein Leben.

Hektisch begebe ich mich auf die Suche nach einem Ausgang. Nach einem Weg hinaus in die Freiheit. Einem Weg in ein Leben, dass mir Glück und Zufriedenheit verspricht. Hinaus in mein Leben, was ich kenne. Der Raum ist doch nur eine Illusion. Eine Projektion. Das kann doch nicht mein Leben sein.

Das ist mein Leben.

Ich renne immer schneller und komme an kein Ziel. Der Raum hat keine Grenzen. Ich schreie um Hilfe, aber niemand kann mich hören. Ich suche einen Ausgang, den es nicht gibt. Mit jedem Schritt nähert sich die Verzweiflung. Es muss einen Ausgang geben. Erschöpft sinke ich zu Boden. Die Tränen der Hilflosigkeit laufen mir über das Gesicht. Ich bin von mir selbst enttäuscht. Mein Blick bleibt auf den Boden gerichtet. Niemand kann mich hören. Niemand kann mir helfen.

Das ist mein Leben.

Ein kleiner Lichtpunkt durchbricht meine Trauer. Ein Punkt. Eine Linie. Ein Kegel. Das Licht durchbricht die Monotonie des Raumes. Ist das der Ausgang? Der Weg zu mehr Selbstvertrauen und Selbstliebe? Ist das die Verbindung zu meinen Mitmenschen? Ich habe Angst. Ich will das nicht. Aber habe ich eine andere Wahl? Will ich hier für immer gefangen sein? Nein! Ich entscheide mich dem Licht zu folgen. Das warme Licht erwärmt mein Gesicht. Ich renne schneller, um ans Ziel zu gelangen. Vor mir erscheint eine schlichte Tür. Ich bleibe kurz stehen. Will ich das wirklich tun? Will ich erfahren, was sich hinter der Tür befindet? Will ich wirklich erfahren, was mich glücklich macht? Will ich raus aus diesem Leben?

Das ist mein Leben.

Die Tür steht bereits einen Spaltbreit offen. Das Licht verharrt im Moment. Ganz vorsichtig berühre ich den Türknauf. Die Kälte lässt mich zurückschrecken. Die inneren Zweifel halten mich zurück. Ich erlaube mir nicht die Kälte des Türknaufs in innere Wärme umzuwandeln. Ich schaue vorsichtig durch die Tür. Das grelle Licht überfordert mich komplett. Ich kneife die Augen zusammen und versuche die Umgebung wahrzunehmen. Doch sie bleibt mir verborgen. Ich bleibe mir selbst verborgen. Ich reagiere abweisend. Irritiert. Ich will das nicht. Ich nehme einen tiefen Atemzug und blicke nach innen. Ich vertraue auf meine Intuition. Sie will mir etwas mitteilen. Ich bekomme Gänsehaut. Das Gefühl der Verbundenheit greift nach mir. Das innere Glück spricht zu mir. Mein Leben zeigt sich mir.

Das ist mein Leben.

Wenn dich die Bilder überfordern


Ich fand keinen Ausgang, bis ich verstand, dass ich den Schlüssel zum Leben die ganze Zeit in mir trug. Es war alles schon da. Ich hatte Angst vor der Wahrheit. Ich hatte Angst vor mir selbst. Bis zu dem Moment, an dem ich die Augen schloss und den Worten lauschte, die mich anleiteten. Allein konnte und wollte ich das nicht. Ich vertraute mich den Menschen an, die bereit waren mich aufzufangen. Die mir mit Offenheit und Herzlichkeit begegneten und die an ich mich glaubten.

Ich wollte die Selbstverständlichkeit des Seins zurückerlangen.

Someone famous

Ich atmete ganz langsam ein und wieder aus. Ich sollte mich erden und zur Ruhe kommen. Ich hatte stattdessen das Gefühl, dass ich den Boden unter meinem Sitzkissen verlor. Meine Hände wurden schweißig und mein Herz pochte schneller. Mir gingen tausende Gedanken durch den Kopf. Plötzlich wurden Farben und Objekte schemenhaft sichtbar. Ich tauchte in eine Welt ein, die ich nicht freiwillig betreten wollte. Es war meine Gefühlswelt. Ich tauchte in eine Welt ein, die nur ich verstand. Ich konnte die Bilder anfangs nicht beschreiben. Der Schmerz war zu stark. Was ich sah war nicht immer schön. Es war mein Leben. Es waren Schuldgefühle, Wut, Trauer und Angst.

Ich wollte meine Depression endgültig überwinden und traute mich. Ich fing an zu weinen. Ich fing an zu sprechen. Ich sprach alles aus, was ich sah. Schonungslos. Die Worte ergaben teilweise keinen Sinn. Die Bilder überforderten mich. Ich atmete dabei ruhig ein und aus. Ich versuchte meinen Körper zu beruhigen. Es brodelte in mir, so als wollte alles auf einmal aus mir heraus. Ich brauchte viel Geduld um die innere Dunkelheit in helles Licht umzuwandeln. Die Tür zum Leben stand einen Spaltbreit offen. Ich öffnete die Augen und trocknete meine Tränen.

Ich saß heulend vor meinem Leben und sagte ihm, wie großartig es ist.

Someone famous

Wenn dich die Gefühle überkommen


Die innere Leere zu überwinden war für mich die größte Herausforderung in meinem bisherigen Leben. Wie sollte ich etwas beschreiben, was ich nicht greifen kann? Wie sollte ich etwas fühlen, was ich nicht fühlen kann? Wie sollte ich etwas erklären, was nur ich erklären kann?

Jahrelang in seiner eigenen Welt gefangen zu sein, ist für Außenstehende schwer nachvollziehbar. In einem leeren, kalten und dunklen Raum gefangen zu sein. Ich war am Leben und dennoch war ich einsam und ängstlich. Ich versteckte mich vor meinen eigenen Gefühlen und wollte mich nicht mit meinen Bedürfnissen auseinandersetzen.

Ich ertrug die innere Kälte, anstatt die wärmende Liebe zuzulassen.

Someone famous

Mehr als zehn Jahre war ich nicht in der Lage meine Gedanken frei auszusprechen. Sie blieben in meinem inneren Gefängnis tief verschlossen. Niemand sollte hören, was ich zu sagen hatte. Niemand sollte erfahren, wie es mir geht. Ich machte alles mit mir selbst aus. Ich verkroch mich in eine Ecke, die es nicht gab. Ich zog mich innerlich so weit zurück, bis ich mich selbst nicht mehr wahrnahm. Wer war ich? Was wollte ich vom Leben? Ich wusste es nicht.

Vielleicht hatte ich eine Vorahnung und ein tiefes Bedürfnis danach. Und dennoch wollte ich es nicht aus mir herauslassen. Ich wollte es vor der Welt verstecken. Ich konnte das nicht. Die Angst vor der Veränderung war zu groß. Ich suchte lieber weiter nach einem Ausgang, den es nicht gab.

Sich mit den eigenen Gefühlen auseinanderzusetzen war für mich eine Befreiung. In der Gegenwart denke ich viel weniger über etwas nach. Stattdessen setze ich mich hin, meditiere und lasse es einfach so geschehen. Ich verliere mich in Gefühlen und gebe freiwillig die Kontrolle ab. Ich bekomme Gänsehaut und erfreue mich an der Schönheit des Lebens. Ich weine, wenn mich Trauer oder Schuldgefühle überkommen und akzeptiere mich so, wie ich bin. Ich habe nichts mehr zu verbergen. Ich habe Frieden mit mir selbst geschlossen und fühle mich den Menschen so nah, wie noch nie zuvor in meinem Leben.

Der Blick nach innen war für mich der Weg hinaus aus der inneren Leere.

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